Freitag, 20. Juli 2018

Edenkoben feiert 200 Jahre Stadt und Wahlrecht: Geschichtsträchtige Verbindung zu Bayern und Frankreich

29. April 2018 | noch keine Kommentare | Kategorie: Kreis Südliche Weinstraße, Regional

Der neu gewählte Bürgermeister (vorne rechts) freute sich über ein volles Haus.
Fotos: HateRadio/Ahme

Edenkoben. Die Stadt Edenkoben lud zu einem unterhaltsamen Abend, einer „Festveranstaltung – 200 Jahre städtisches Wahlrecht“  ein. Seit 1818 durfte sich Edenkoben Stadt nennen, seine Bürger erhielten das städtische Wahlrecht zur Abegeordnetenkammer.

Am 27. April begann der Abend mit einem Sektempfang. Anschließend begrüßte der neugewählte Stadtbürgermeister Ludwig Lintz die Gäste.

Der bebilderte Festvortrag von Herbert Hartkopf und Dr. Andreas Imhoff wurde mit Liedern der Gruppe Siebenpfeifer untermalt. Die szenische Darstellung „ Hin und weg“ der Gästeführer über Auswanderer unterstrich die Themen der damaligen Zeit.

Im Anschluss daran leitete das Jazzkonzert mit dem international bekannten Torsten Zwingenberger und den New Orleans Shaker in den gemütlichen Teil des Abends über, das vom Kulturverein Edenkoben zu den Feierlichkeiten beigetragen wurde. Die Bewirtung übernahm die Spielvereinigung Edenkoben.

Für Ludwig Lintz war es der erste große Termin als neu gewählter Bürgermeister. Er begrüßte zunächst die Ehrengäste, unter ihnen Landrat Dietmar Seefeldt, Verbandsbürgermeister Gouasé, Ehrenbürger Herbert Schäfer und die Weinprinzessinnen Nina Oberhofer und Theresa Paulus.

Im nächsten Jahr wird Edenkoben die 1250 Jahr-Feier begehen können, so Landrat Seefeldt, der auch die enge Verbindung von Landkreis und Stadt durch das immer in Edenkoben stattfindende Weinfest der Südlichen Weinstraße betonte.

Edenkoben habe schon immer als geschichtsträchtiger Ort zu feiern verstanden und sich in Szene setzen können, so Seefeldt mit Hinweis auf die Villa Ludwigshöhe und andere Örtlichkeiten.

Sein Lob galt auch den Gästeführern, die viel für den Tourismus in Edenkoben tun: „Das Motto der Stadt „Liebe zum Leben“ ist kein leeres Marketingversprechen“, so Seefeldt.

Landrat Seefeldt: Gruß vom Landkreis an die Stadt.
Foto: HateRadio/Ahme

Die enge Verbindung zu Bayern zog sich wie ein rotes Band durch die gesamte Veranstaltung. Auch VG-Bürgermeister Olaf Gouasé unterstrich diese.

Oskar Weiskopf, ehemaliger Präsident des Vereins der Rheinpfälzer und vor fast 60 Jahren nach München ausgewanderter Edenkobener, sprach ein Grußwort für die beiden großen Pfälzer Vereine in München, nämlich den „Landesverband der Pfälzer in Bayern e. V.“ sowie eben den Verein der Rheinpfälzer. Dieser Verein hat 160 Mitglieder und veranstaltet jährlich etwa 70 Veranstaltungen pro Jahr.

Oskar Weiskopf wohnt seit 60 Jahren in München und ist nachwievor Edenkoben-Fan.
Foto: HateRadio/Ahme

Die Gruppe „Siebenpfeiffer“ spielte unter anderem die „Pfälzer Marsellaise“. Die Pfälzer hatten ein gespaltenes Verhältnis zur französischen Revolution; das wurde im Festvortrag deutlich. Sie waren unzufrieden mit den Verhältnissen in der Kleinstaatlichkeit und wollten ihre „Untertanentreue“ nicht aufkündigen, wie es Imhoff so schön formulierte.

Doch die Franzosen eroberten Edenkoben in der Schlacht am Schänzel und machten Edenkoben zur Kantonsstadt. Später stand Edenkoben unter österreichisch-bayerischer Verwaltung und war schließlich Kantonsstadt im bayerischen Rheinkreis, wie die Pfalz bis 1838 hieß.

Wie sich Edenkoben in dieser Zeit entwickelte, beleuchteten Imhoff und Hartkopf abwechselnd – eine Zeitreise, die von den Gästeführern Richtung Auswanderung nach Amerika szenisch weiter dargestellt wurde.

Der Beitrag der Edenkobener Gästeführer war ein „Szenisches Spiel“.

Bereits im vergangenen Jahr wurden sie vom damaligen Stadtbürgermeister Werner Kastner beauftragt, sich für diesen Anlass etwas einfallen zu lassen; heraus kam ein selbstgeschriebene szenische Darstellung mit dem Titel „Hin und Weg“.

Mit von der Partie waren drei Gästeführerinnen und ein Gästeführer, gewandet in historische Kleidung. Unterstützung gab es von Pfarrerin Judith Geib, als Sprecherin und einer weiteren Gästeführerin (Marta Guida) als Regieanleiterin. Den heimischen Herd für die Kulisse hatte Herrmann Nolzen beigesteuert.

In der Handlung geht es um die Auswanderungswelle, die im 19. Jahrhundert wegen Hungersnöten und Abgabenlast auch Edenkoben ergriffen hatte.

Oma „Bawett“ (Jutta Grünenwald) erhält einen Brief von Enkel Jakob, der mit seinen Eltern nach Amerika geflohen war und nun den Daheimgebliebenen mit Milch und Honig im gelobten Land den Mund wässrig macht.

Lisbeth, Bawetts Tochter (Elke Bechtold), deren Ehemann im Russlandkrieg geblieben ist, muss arbeiten gehen, um den Rest der Familie zu versorgen. Tochter Marie (Martina Roth) revoltiert gegen die bayerische Regierung und deren Restriktionen und ist einer Auswanderung nicht abgeneigt. Der Schulmeister (Gert Hörner), der in die Witwe Lisbeth verliebt ist, wird gerufen, um zu erklären, wo dieses Amerika überhaupt liegt. Nun stellt sich die Frage: „missen mer do hie?“

Nachdem auf dem Globus sowohl Amerika als auch eine näherliegende Alternative, Perlach in Bayern, ausfindig gemacht sind und die Tatsache, dass „Edekowwe“ inzwischen Stadt geworden ist, gegeneinander abgewogen waren, fällt die Entscheidung der drei Frauengenerationen, eindeutig aus: „Mir bleiwen do!“

Der Auftritt der Edenkobener Gästeführer wurde vom Beifall des Edenkobener Publikums getragen, das offensichtlich vom ernsten Inhalt, der humorvoll in Szene gesetzt worden war, ergriffen wurde.

Kontakt:

Tolles szenisches Spiel der Gästeführer.
Foto: Erich Grünenwald

Der Auftritt von Torsten Zwingenberger im Anschluss war der Beitrag des Kulturvereins Edenkoben e.V., mit seinem Vorsitzenden Torsten Materna, zur Jubiläumsveranstaltung 200 Jahre Städtisches Wahlrecht für Edenkoben.

Jazzbegeisterte erlebten eine kostenfreie Darbietung des weltbekannten Jazz- und Blues-Schlagzeugers der mit den „New Orleans Shakers“ bewies, dass er in vielen Spielarten des Jazz zu Hause ist.

In einer für New-Orleans-Bands unüblichen Besetzung, statt drei Bläsern trat nur Thomas l’Etienne (Klarinette, Saxophone & vocals) auf, was eine besondere Herausforderung an die Virtuosität der Bandmitglieder und Ausdruck ihrer Experimentierfreudigkeit war. Begleitet wurde er von Jan Hendrik Ehlers (Piano), Oliver Karstens (Kontrabass) und TEASY/Torsten Zwingenberger (Drums/Percussion).

Die Neugierde der Band führte zu modernen, zeitgemäßen Interpretationen alter Jazztradition. Zu spüren war ihre mitreißende Lust am Leben und an der Veränderung, die die Zuschauer immer wieder aufs Neue begeisterte.

Schon Anfang der 70er Jahre legte Torsten Zwingenberger die Grundlage für sein heute nahezu akrobatisches Schlagzeugspiel. Zu Beginn spielte er Waschbrett zu alten Jazzplatten und dem Boogiepiano seines Bruders Axel.

Im weiteren Verlauf seiner Karriere verwendete er dann die gleiche energetische Spielweise für sein Besenspiel am Schlagzeug. Vom „Ur“-Jazz ausgehend, den er von seinen Wurzeln her durchdrang, erforschte Torsten fast alle nachfolgenden Jazzstile. Diese Herangehensweise war die Voraussetzung für die Entstehung seines unverwechselbaren Stils und seinem „Drumming 5.0“.

Das auf seine Stadtrechte stolze Edenkobener Publikum war begeistert und entließ die Band, die zwei Stunden pausenlos für sie gespielt hatte, stehend applaudierend, erst nach drei Zugaben von der Bühne.

Torsten Zwingenberger und Band.
Foto: Torsten Materna

Den Gästen, die übrigens keinen Eintritt bezahlen mussten, hat die Veranstaltung sehr gut gefallen –  man freue sich schon auf die Veranstaltungen zur 1250-Jahr-Feier im nächsten Jahr, wie einer der Anwesenden sagte. (desa)

Die Edenkobener sind an der Geschichte ihrer Stadt sehr interessiert.
Foto: HateRadio/Ahme

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