Mittwoch, 19. Dezember 2018

Start-up in Kaiserslautern: Digitales Assistenzsystem nach dem Baukasten-Prinzip

8. Dezember 2018 | noch keine Kommentare | Kategorie: Südwestpfalz und Westpfalz, Wirtschaft in der Region

Datenbrille
Foto: A.Sell/über Kompetenzzentrum Kaiserlsautern

Kaiserslautern – Im ersten Moment würde man nicht erwarten, dass ein IT-Startup Hilfe bei der Digitalisierung benötigt. Aber Startups stehen intern vor den gleichen Herausforderungen wie der Mittelstand oder große Unternehmen.

Aus diesem Grund hat sich das Startup MiniTec Smart Solutions GmbH an das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern gewandt. MiniTec Smart Solutions stellt digitale Assistenzsysteme zur Unterstützung von Produktionsmitarbeitern her. In einem Digitalisierungsprojekt hat das Kompetenzzentrum dem Startup dabei geholfen, ihre digitalen Lösungen weiterzuentwickeln.

Das IT-Startup MiniTec Smart Solutions wurde im März 2017 gegründet. Die Idee, die der Gründer und Geschäftsführer Dr. Marius Orfgen hatte, dreht sich um Assistenzsysteme. „Ich bringe die Informationen, die ein Mitarbeiter in der Produktion benötigt, um seine Aufgabe zu erfüllen, auf eine möglichst einfache Art über Bildschirme oder eine Datenbrille direkt zu ihm“, erklärt er.

Ein solches Assistenzsystem dient als digitale Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Fertigung eines Produkts. Anstatt einer Papieranleitung, die möglicherweise noch unvollständig ist, erkennt ein digitales System über Bilderkennung, welche Tätigkeit ein Produktionsmitarbeiter gerade erledig und kann ihm aktuelle Information zur Montage zur Verfügung stellen.

Die Firma MiniTec GmbH & Co. KG aus Schönenberg-Kübelberg baut u.a. klassische Handarbeitsplätze für die manuelle Montage in der Produktion. Orfgen hat in der Technologie-Initiative SmartFactory KL e.V. promoviert und in diesem Zusammenhang an der vollautomatisierten, herstellerunabhängigen Industrie 4.0-Produktionsanlage der SmartFactory-KL mitgearbeitet. Die Forschungsergebnisse aus der digitalen Produktionsanlage hat er in das Startup eingebracht und so war die Idee für digitale Assistenzsysteme zur Unterstützung der Mitarbeiter am analogen Handarbeitsplatz geboren.

MiniTec Smart Solutions aus Kaiserslautern bietet die komplette Lösung an – vom physischen Handarbeitsplatz bis hin zur Softwareentwicklung, um das Programm auf die Bedürfnisse des jeweiligen Unternehmens anzupassen.

Orfgen selbst ist Informatiker, sein Team besteht aus zwei weiteren Mitarbeitern: der Elektrotechnikerin Ramona Barie, die ihren Fokus auf Bildverarbeitung setzt, und dem Wirtschaftsingenieur Markus Kaiser mit Schwerpunkt Informatik.

Projektbegleitung mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern

In der Projektbegleitung mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern wurde die starre Abfolge der digitalen Arbeitsanweisungen in den Assistenzsystemen durch flexibel anpassbare Arbeitspläne ersetzt. Die Idee des Projekts war es, dynamische Anleitungen gemäß den Nutzeranforderungen zu ermöglichen.

Gemeinsam wurden einzelne Software-Bausteine für die Assistenzsysteme entwickelt, die miteinander kombinierbar sind – wie ein flexibles Baukastensystem. So muss das Startup nicht mehr für jeden Kunden ein komplett neues Programm entwickeln.

So haben beispielsweise die Arbeitswissenschaftler des Kompetenzzentrums den Aspekt der Ergonomie und leichten Bedienbarkeit der Assistenzsysteme eingebracht.

Qualifizierungstool für Mitarbeiter

Ein Assistenzsystem soll nicht den Menschen ersetzen, sondern ihm die Arbeit erleichtern und bei komplexen Tätigkeiten unterstützen. Die Montage an sich bleibt durch die Assistenzsysteme manuell, nur erhält der Produktionsmitarbeiter eine digitale Anleitung, wie er ein spezifisches Produkt zu fertigen hat. Das ist vor allem bei einer hohen Produktvielfalt hilfreich, um sich nicht alle einzelnen Varianten eines Produkts merken zu müssen.

Außerdem kann das System zum Anlernen neuer Mitarbeiter verwendet werden. Die Lösung kann dazu eingesetzt werden, Mitarbeiter für bestimmte Tätigkeiten zu qualifizieren, ohne dafür die Zeit der erfahreneren Mitarbeiter in Anspruch zu nehmen. Durch das digitale System sollte ein Laie befähigt werden, ein Produkt zu fertigen.

„Besonders wichtig bei der Akzeptanz einer neuen Technologie im Unternehmen ist die Einbindung der Mitarbeiter. Denn wenn die Mitarbeiter von Anfang an in ein Projekt eingebunden werden, dann akzeptieren sie die Veränderung danach viel bereitwilliger“, so Patrick Bertram, Projektkoordinator vom Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Kaiserslautern.

Mobile Variante mit Datenbrille

Die digitale Lösung kann nicht nur am Tisch des Handarbeitsplatzes durch eine Projektion auf die Arbeitsplatte oder einen separaten Bildschirm integriert werden, sondern auch auf einer mobilen Datenbrille wie der Microsoft HoloLens abgespielt werden. Die HoloLens ist eine Augmented-Reality-Brille, die die Realität mit Echtzeitbildern überlagert. So werden beispielsweise 3D-Objekte und Informationen im Raum eingeblendet. Damit wird dem Produktionsmitarbeiter die digitale Anleitung direkt in seinem Blickfeld angezeigt.

Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Für jede Situation muss das Unternehmen flexibel entscheiden, welche Option besser zu den internen Prozessen passt. Die Daten sind immer dieselben, ob mobil auf der Datenbrille oder fest am Handarbeitsplatz.

Information

Das Projekt ist eine von fünf Projektbegleitungen des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Kaiserslautern, bei denen KMU aus Rheinland-Pfalz jeweils über einen Zeitraum von zirka sechs Monaten bei der Umsetzung eines Digitalisierungsprojekts unterstützt werden und dadurch zum Leuchtturm für die Region werden. Das Kompetenzzentrum Kaiserslautern gehört zu Mittelstand-Digital. Mit Mittelstand-Digital unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Digitalisierung in kleinen und mittleren Unternehmen und dem Handwerk.

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