Freitag, 25. Mai 2018

Führende Rolle in Europa: online-Jugendbeteiligung in Offenbach vorbildlich

10. Februar 2018 | 1 Kommentare | Kategorie: Allgemein, Kreis Südliche Weinstraße, Regional
Bürgermeister Axel Wassyl (Bildmitte) und Jugendpfleger Mike Bourquin (rechts) bei der Eröffnung des Freelethics-Fitnessplatzes in Offenbach im Sommer 2016. Nun machen beide Klimmzüge für die Finanzierung einer App für Bürger- und Jugendbeteiligung. Foto: HateRadio/Ahme

Bürgermeister Axel Wassyl (Bildmitte) und Jugendpfleger Mike Bourquin (rechts) bei der Eröffnung des Freelethics-Fitnessplatzes in Offenbach im Sommer 2016. Nun machen beide Klimmzüge für die Finanzierung einer App für Bürger- und Jugendbeteiligung.
Foto: HateRadio/Ahme

Offenbach. Die bereits im Jahr 2004 begonnene Kinder- und Jugendbeteiligung in Offenbach, die später auf die gesamte Verbandsgemeinde ausgedehnt wurde, sei in Fachkreisen nicht nur bundes- sondern sogar europaweit führend, wie die Verbandsgemeinde Offenbach stolz erklärt.

Bei Fachsymposien in Berlin, Münster, Düsseldorf, Bielefeld, Helsinki, Kopenhagen in den letzten Jahren sei die Beteiligung der kleinen Verbandsgemeinde Offenbach stets als beispielhaft präsentiert worden.

Die Erfahrungen hielten in verschiedenen Publikationen Einzug und werden jetzt auch als Videointerviews in einem MOOC des Projekts „jugend.beteiligen.jetzt“ in Zusammenarbeit mit der Hochschule Esslingen weitergegeben. (MOOC = Massive Open Online Cours – kostenlose Onlinekurse, meist auf Hochschul-Niveau).

Institute, wie zum Beispiel die „Stiftung Mitarbeit“, fragten wegen einer Vorstellung der „Offenbacher Beteiligung“ bereits an. Da die bisherige Online-Plattform stillgelegt wurde, suchen Bürgermeister Axel Wassyl und Jugendpfleger Mike Bourquin nun nach Finanz-Partnern für die Entwicklung einer Beteiligungs-App.

Jugend in Offenbach dabei

„Die Beteiligung der Verbandsgemeinde Offenbach, ihre Kreativität bei der Umsetzung – auch der Projekte, der „eiserner Wille“ mit dem Ziel, eine dauerhafte Beteiligung aller Einwohner zu erreichen, die beeindruckenden Zahlen und die Offenheit haben Offenbach in Deutschland und Europa immer wieder zum „Best Practice-Beispiel“ gemacht. Die Nachvollziehbarkeit des Zustandekommens der Ratsbeschlüsse, sowie nach Nachprüfbarkeit auf der Plattform wurde stets als positives Beispiel herausgestellt“, so Wassyl.

Projektorientierte Beteiligung

Nach ersten Recherchen bei der Vorbereitung für eine Kinder- und Jugendbeteiligung in Offenbach entschied man sich für eine projektorientierte Beteiligung. Dafür wurden die „Projekte der Kids“ erfragt und zu einem Jugendforum eingeladen, allerdings mit mäßigem Erfolg.

Es wurde klar, dass noch Unterstützung und Fachwissen benötigt wurde. „Pädagogische Firmen“ und „Prozessbegleiter“ waren jedoch zu teuer für eine kleine Verbandsgemeinde. Allerdings bot das Land Rheinland-Pfalz gerade die „Spielleitplanung“ an und Offenbach bewarb sich.

„Hier zeigte sich bereits eines der „Qualitätsmerkmale“, welche Offenbach später unter anderem immer wieder zum „Best Practice-Beispiel“ werden lassen sollten: man wollte etwas lernen, aber die Beteiligung immer selbst machen, um sie kontinuierlich ausbauen und fortführen zu können“, so der Bürgermeister.

Zwei Mitarbeiter wurden von Bürgermeister Axel Wassyl zur Ausbildung als „Beteiligungsfachkraft des Landes Rheinland-Pfalz“ geschickt und mit Jens Voll, einem Bildungsreferenten des Bundes Deutscher Pfadfinder, konnte man einen erfahrenen Beteiliger und kompetenten Lehrer für die zahlreichen Ehrenamtlichen engagieren.

Spielleitplanung und Offenbacher Zukunftsinitiative

Mit der Spielleitplanung war auch die Gründung einer „Steuerungsgruppe“ verbunden und es konnten viele Offenbacher gewonnen werden, deren erster Beschluss die Namensgebung war: Offenbacher Zukunftsinitiative – OZi war geboren.

„Diese Ehrenamtlichen zeigten ein Engagement und eine Leistung, die alles übertraf, was man zuvor erwartet hatte. Und es wurde schnell klar: die Erwachsenen wollen auch beteiligt werden. So kam es – ein weiteres Merkmal der „Offenbacher Beteiligung“ – zu einer Kinder-, Jugendlichen-, Bürgerbeteiligung“, erinnert sich Wassyl.

Konkrete Projekte umgesetzt – Kosten gespart – Dorfgemeinschaft gestärkt

Das Starterprojekt für die Kinder war der Spielplatz in der Buttstädter Straße in Offenbach. Es sei mehr als beeindruckend gewesen, was Kinder, Anwohner, OZis, Bauhof und Ratsmitglieder leisteten und wieviel Spaß sie dabeihatten. Insgesamt über 600 Stunden seien in Eigenleistung erbracht worden, berichtet Wassyl.

Der Platz wurde für knapp 50.000 Euro gebaut – bei einem Platz für den Fachplaner zuvor 100.000 Euro veranschlagt hatten. Und bei der Abnahme von einem Fachmann, habe dieser gesagt: „Von der Beteiligung her und kreativ und qualitativ um Längen besser als alles, was ich bisher bei vielen Profis gesehen habe.“

Erste theoretische Annahmen einer Beteiligungsstruktur bewahrheiteten sich bereits: Einsparungen, bedarfsgerechte Planung, Stärkung der Dorfgemeinschaft und Vandalismusfreiheit, zumindest in den ersten Jahren des Betriebs.

Jugendliche konsequent beteiligen

Die Jugendlichen waren ernsthafte Beteiligung vorher nicht gewohnt, das war den Verantwortlichen mittlerweile klargeworden. Man musste also zu den Jugendlichen selbst gehen, wofür sich die Schulen optimal anboten. Offenbach selbst hat keine eigenen weiterführenden Schulen.

Es musste ein Konzept entworfen werden und bei den Schulen des Landkreises und der Stadt Landau um Unterstützung geworben werden. Die Schulen hatten die Beteiligung zum Großteil unterstützt und so schaffte man es, 89% der 6-10-Jährigen und 62% der 11-18-Jährigen direkt zu beteiligen – Prozentzahlen, die – wie erst später den Verantwortlichen in Offenbach klar wurde – „einzigartig“ waren und „noch immer beispielhaft“ seien.

Weitere Projekte: Sicherer Schulweg, Spielplätze, Grillhütte

„Nach einer langen Auswertungsphase waren die weiteren Projekte klar und auch zeitnah in Angriff genommen: eine Kinderbeteiligung bei allen Spielplätzen der Ortsgemeinde sowie ein Rundgang zum Thema Sicherheit auf dem Schulweg, dem die schnelle Entschärfung der Gefahrenstellen, wo es möglich war, folgte.

Die Öffnung einer Sportanlage und – als Großprojekt für Jugendliche und Erwachsene – Planung und Bau der Grillhütte. Die Grillhütte ist mittlerweile eine eigene Erfolgsgeschichte. Schon ihr Bau war aber vielbeachtet“, so Wassyl.

Als Bausatz mit einem Ingenieur der Firma geliefert, bauten 100 Offenbacher jeden Alters in wenigen Wochen die Hütte zu  einem wahren Glanzstück auf. Auch ansässige Firmen unterstützten dabei kräftig.

Gewürdigt wurde die Arbeit auch vom Land mit einem Ehrenamtspreis „für herausragende Projekte der Kommunen“ und auf Grundlage des hohen ehrenamtlichen Engagements traute man sich, an den Bewerbungen für das Mehrgenerationenhaus teilzunehmen und bekam auch den Zuschlag als „Mehrgenerationenhaus im Landkreis Südliche Weinstraße“.

Die Online-Jugendbeteiligung „Youthpart“

Wassyl: „Es war der logische Schritt, die Beteiligung auf die gesamte Verbandsgemeinde auszudehnen“. Durch Zufall entdeckte man das EU-Projekt „Youthpart“ zur Online-Beteiligung. Man bewarb sich und wurde aufgrund der erfolgreichen Vorgeschichte direkt angenommen und zugleich auch ins Bundesprogramm „Youthpart #lokal“ eingeladen.

Online-Beteiligung der Bürger bei „Offene Kommune“

Da auch diesmal wieder parallel Bürger-Beteiligung stattfinden sollte, bewarb man sich noch bei „Offene Kommune“, ebenfalls einer Online-Plattform für Beteiligung.
Auch für die Online-Beteiligung bedurfte es der Werbung in den Schulen. Diesmal hatte man 22 und 34% vorzuweisen.

Durch Beteiligung viel erreicht

Insgesamt könne man sagen, dass die kleine Verbandsgemeinde durch Beteiligung Großes erreicht hat: ob Spielplätze, aktuell auch die große Spielanlage „Oberwiesen“ in Hochstadt, einem offenen Sportplatz, Verbesserung der Verkehrssicherheit, Grillhütte, einen Jugendtreff-„Neubau“, Skaterplatz, WLAN für alle, „(Dorf-)Kino“ und „Eisdiele“, mehr Feste für „junge Leute“, Freelethics-Fitnessplatz sowie mehrere „Kleinprojekte“, so der Bürgermeister stolz.

Online-Beteiligungs-Projekt gefährdet

Mittlerweile wurden die durch den Bund finanzierten Plattformen, die aufgrund der Projektteilnahmen immer kostenlos genutzt werden konnten, abgeschaltet, da Offenbach auch das einzige noch aktiv betriebene Projekt war. Dies vor allem aus dem Grund, weil man so gute Erfahrungen mit der Beteiligung gemacht hat. Bürgermeister Axel Wassyl: „Bürger-Beteiligung ist für die Menschen und für die Kommunen sehr wichtig. Deshalb müssen unbedingt weitermachen!“

Aktiv für eine Lösung: Eine APP soll entwickelt werden

Existierende Online-Systeme sind nicht sehr bedienerfreundlich und zu teuer für eine kleine Verbandsgemeinde. Deshalb hat man ein junges Pfälzer StartUp begeistert, für und mit der Verbandsgemeinde eine Umsetzungsmöglichkeit für eine Beteiligungs-App und -Plattform zu entwickeln. Für die Verbandsgemeinde allein wäre sie trotz allen Entgegenkommens des StartUps immer noch zu teuer. Weshalb die Idee ist, dass möglichst viele Kommunen landesweit mitmachen.

An der Finanzierung wird gearbeitet

In Zusammenarbeit mit der Stadt Landau und medien.rlp will Bürgermeister Axel Wassyl versuchen, das Land mit ins Boot zu holen. „Wir hoffen, dass wir bereits in 2018 mit der Beteiligung fortfahren können und das sie wiederum besser wird als zuvor. Sicher ist aber, wenn es so nicht klappt, dann machen wir’s anders.

Wir wollen weiterhin und erneut eine Kinder-, Jugend-, und Bürgerbeteiligung, da wir erkannt haben, dass es gut ist – für die Kommune, für die Menschen und für die Zukunftsfähigkeit unserer kommunalen Gemeinschaft.“, so der Bürgermeister, „Denn auch Beteiligung ist eine Form von Ehrenamt und fördert auch die bekannten ehrenamtlichen Strukturen.“ (red/desa)

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Ein Kommentar auf "Führende Rolle in Europa: online-Jugendbeteiligung in Offenbach vorbildlich"

  1. Ansgar sagt:

    Was für eine billige Wahlwerbung ohne wirklichen Inhalt. Bei diesem Satz habe ich aufgehört weiterzulesen: „Die Nachvollziehbarkeit des Zustandekommens der Ratsbeschlüsse, sowie nach Nachprüfbarkeit auf der Plattform wurde stets als positives Beispiel herausgestellt.“ Mal abgesehen von Wassyls-Kauderwelsch ist genau dass sein Problem: Sachen beschliessen ohne die Offenbacher ernstzunehmen. Ich hab ihn auch gewählt, fühle mich aber im Stich gelassen, da er nur noch macht wie es ihm passt und die Bürger nicht mehr informiert. Ich bin sehr froh das es noch eine andere Kandidatin gibt!

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