Montag, 19. November 2018

Fastnachtsumzug Herxheim: Die Helfer im Hintergrund – Massenphänomen alkoholisierte Jugendliche

5. März 2014 | 5 Kommentare | Kategorie: Allgemein, Kreis Südliche Weinstraße, Regional

In der Einsatzzentrale im Rathaus (v.li.) : Holger Kurz (DRK), Polizeihauptkommissar Klaus Geib, Karl-Heinz Rübsam Feuerwehr Herxheim und Bürgermeister Franz-Ludwig Trauth.
Fotos: / Licht

Herxheim – Die Befürchtungen waren groß vor dem Fastnachtsumzug in Herxheim. Prügeleien, Randale, in´s Koma getrunkene Jugendliche – seit einigen Jahren Begleiterscheinungen zur Karnevalszeit. Kreis-und Verbandsgemeindeverwaltung hatten deswegen eine verschärfte Allgemeinverfügung  erlassen, Alkohol durfte nicht mitgebracht werden.

Dennoch war die Hauptstraße am Fastnachtsdienstag gesäumt von Tausenden Besuchern, die bei strahlendem Sonnenschein den Faschingsumzug verfolgten und mitfeierten.

Einige aber hatten keine Zeit, den bunten Lindwurm zu bewundern, der sich durch Herxheim wälzte: Die Helfer im Hintergrund hatten schon im Vorfeld alle Hände voll zu tun. Fast 100 Einsatzkräfte der Feuerwehr, der Polizei und des Sanitäts- und Rettungsdienstes sorgten in enger Abstimmung untereinander und mit dem Ordnungs- und Jugendamt für die Sicherheit der Besucher.

In der Einsatzzentrale im Rathaus liefen alle Fäden zusammen. Die Einsatzleiter Karl-Heinz Rübsam von der Feuerwehr Herxheim, Holger Kurz vom DRK und Polizeihauptkommissar Klaus Geib koordinierten die Zusammenarbeit.

Auch Bürgermeister Ludwig Trauth, der mit dem Ordnungsamt Vorsorgemaßnahmen getroffen hatte, war vor Ort. Am Tag zuvor war noch einmal umfangreich gebrieft worden, da die Sicherheitsmaßnahmen intensiviert wurden – basierend auf den Erfahrungen des Offenbacher Umzugs (wir berichteten). „Man kann Vieles tun“, so Trauth. „Vorsorge treffen, die Erfahrungen aus früheren Umzügen heranziehen – aber letztendlich haben die Narren das Sagen.“

Nico Schenk bei der Jugenschutzgruppe unterwegs

Mit der Jugendschutzgruppe auf den Straßen unterwegs war der Erste Kreisbeigeordnete Nicolai Schenk. Mit jeweils einem Polizeibeamten, einem Mitarbeiter des Jugendamts und des Ordnungsamts und einem Jugendpfleger wurden auffällige – sprich betrunkene – Jugendliche angesprochen, eventuell mitgeführter Alkohol ausgeschüttet und die Jugendlichen dem ASD (Allgemeiner Sozialer Dienst) übergeben.

Nico Schenk packte mit an.

„Im Schnitt hatten die Jugendlichen in Herxheim 0,5 Promille weniger im Blut als beim Umzug in Offenbach“, berichtete Schenk in einer Nachlese. Auch sonst fiel die Bilanz im Großen und Ganzen positiv aus.

„Hierbei war die von der Verbandsgemeinde erlassene Allgemeinverfügung hilfreich, die ein generelles Mitnahmeverbot von Alkohol im Bereich der Umzugsstrecke und Teilbereichen von Herxheim vorsah. Das hat funktioniert“, so Schenk.

Das DRK hatte zwei Behandlungsräume ausgestattet, einen neben dem Rathaus, den anderen bei der Festhalle. Dort konnten die Alkoholgeschädigten versorgt werden.

Ein Notarzt war immer vor Ort, Infusionen, eine permanente Überwachung und Blutdruckkontrolle stellten sicher, dass nichts Schlimmeres passierte.

50.000 Besucher – wenig Gewalt

Angesichts der Größe der Veranstaltung – die Feuerwehr spricht von 50.000 Besuchern – und einer Umzugsgröße von knapp 90 Zugnummern mit rund 2.300 Teilnehmern mussten die Einsatzkräfte vergleichsweise wenig Strafanzeigen aufnehmen oder einschreiten: Bis zum Ende der Veranstaltung wurden drei Körperverletzungsdelikte und eine Beleidigungsanzeige gegen einen Polizeibeamten aufgenommen.

Die Allgemeinverfügung erlaubte es den Kontrollkräften, insbesondere bei Jugendlichen mitgeführte alkoholische Getränke, darunter Wein, Bier und Sekt, entsorgen zu lassen.

430 Liter Alkohol ausgeschüttet

Bei 295 kontrollierten Jugendlichen wurden insgesamt 240 Liter alkoholischer Getränke ausgeschüttet. Rechnet man noch die Vorkontrollen an den Einfahrtstraße von Herxheim hinzu, so konnten zusätzliche 190 Liter ausgeschüttet werden, die nicht mehr konsumiert werden konnten. Die Präventivmaßnahmen führten dazu, dass die Anzahl der unter Alkoholeinfluss stehenden Kinder und Jugendlichen zu Offenbach halbiert werden konnte.

Trotzdem wurden 19 Kinder und Jugendliche durch das DRK und den ASD des Kreisjugendamts vor Ort ärztlich und pädagogisch versorgt. 16 Kinder und Jugendliche wurden an ihre Eltern übergeben worden, ein Jugendlicher konnte nach Ausnüchterung wieder entlassen werden. Zwei Jugendliche mussten später ins Krankenhaus verlegt werden, wie auch drei erwachsene Personen.

Fazit: Mit einem Großaufgebot von Rettungsdiensten und den unterschiedlichen Ordnungsbehörden konnte das Massenphänomen alkoholisierter Jugendlicher lediglich eingedämmt, aber nicht verhindert werden. Hier bedarf es offensichtlich eines tiefgreifenden Wandels in der Gesellschaft und der Einstellung eines jeden Einzelnen.

Die bei den Umzügen gemachten Erfahrungen der Einsatzkräfte werden nun zusammengeführt, um schon frühzeitig für die nächste Faschingskampagne die notwendigen Folgerungen zu ziehen. (cli/pi-ld)

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5 Kommentare auf "Fastnachtsumzug Herxheim: Die Helfer im Hintergrund – Massenphänomen alkoholisierte Jugendliche"

  1. Fritzel sagt:

    wir waren ja auch weniger als in Offenbach weil viel schon schlapp gemacht haben oder nicht mehr nach herxheim gedurft haben
    und klar haben wir weniger getrunken, hallo am nächsten Tag war schule!!!
    und die haben uns die Sachen ausgeleert wo wir haben durften, voll illegal
    vor allem wann man sie am stand gekauft hat hat man sie trinken dürfen und wenn man alt war hat man auch mitbringen dürfen. das macht ja keinen sinn und is auch unfair

    • Nicolai Schenk sagt:

      Sinn und Zweck der Straßenfastnacht sollte ja sein, dass das Brauchtum gepflegt wird, und Jung und Alt gemeinsam ausgelassen feiern können. Bedenklich ist, dass es einigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen offensichtlich dabei nur darum geht, übermäßig Alkohol zu konsumieren. Wenn 12 und 13 Jährige mit über 1 Promille und Jugendliche teilweise mit einem Alkohol Level von bis zu 2,5 Promille aufgegriffen werden, dann muss dieser Entwicklung entgegengetreten werden. Die Erwachsenen sollten dabei durchaus mit gutem Beispiel voran gehen und betroffene Eltern verstärkt Ihrer Aufsichtspflicht und Verantwortung nachkommen.
      Wenn im Rahmen von Großveranstaltungen Kinder und Jugendliche zu Schaden kommen, dann meistens weil sie unter Alkoholeinfluss standen. Dies gilt es zu verhindern.
      Die Allgemeinverfügung der Verbandsgemeinde Herxheim, die im Vorfeld veröffentlicht wurde, hat das Entleeren von mitgeführtem Alkohol für die Ordnungskräfte legitimiert und erlaubt. Dies hat unter anderem auch den Zweck, dass Kinder und Jugendliche keinen Alkohol mitführen können, und Kinder und Jugendliche nur gemäß den Auflagen des Jugendschutzgesetzes sowie volljährige Umzugsbesucher ihre alkoholischen Getränke an den den Ständen der Vereine kaufen, die letztendlich auch die Kosten der Organisation und der Auflagen für Ordnungs- und Rettungsdienst tragen müssen.

      • Frank sagt:

        Meiner Meinung nach sollten die Eltern der betrunkenen Jugendlichen, die durch den Rettungsdienst betreut werden müssen, an den Kosten beteiligt werden. Der ein oder andere wird dann wahrscheinlich mit der Erziehung anfangen, wenn es an das eigene Geld geht. Es sollte auch mal geprüft werden ob da nicht die Aufsichtspflicht verletzt worden ist.

    • Paramedic sagt:

      Du scheinst auch einer derjenigen zu sein die bei mindestens einer Veranstalltung im Jahr auf na Sanitätsstation endet.
      Denk mal nach über das was du schreibst es gab extra den Hinweis nichts an Alkohol mit zu bringen und die Polizei weis schon wem sie was auskippen darf und wem nicht.
      Und noch was wenn s dir nur ums Alkohol konsumieren geht das kannst du auch zuhause dort wird es dir nicht ausgeschüttet (nur werden´s dir deine Eltern wahrscheinlich nicht gestatten)
      Wenn dir aber so viel daran liegt auf einem öffentlichen Fest Alkohol zu konsumieren solltest du mal mit den ganzen anderen Betrunkenen Jugendlichen die Kosten für Sicherheitsdiens, Sanitätsdienst, Reinigung usw. bezahlen dann wird dir dein Alkohol nur noch halb so gut schmecken.

  2. Paramedic sagt:

    Der Beitrag um 22:12 Uhr galt Fritzel.

    So jetzt zu Herr Schenk:
    Man merkt das Sie nicht gerade viel mit der Realität solcher Feste zu zun haben, nur weil man n bisschen mit läuft bei Polizei, Ordnungsamt und co. so ist man trotzdem nicht in der lage wirklich alles realitätsnah zu beurteilen (genau so wie so mancher Verbandsbürgermeister meint er sei in der lage nur im entferntesten über die Leistungen die die FFW erbringt zu sprechen bzw. diese meint schätzen zu wissen obwohl er nie einen Finger krum gemacht hat oder machen würde)

    So nun zum Hauptthema Festumzug Herxheim – Nicht die Erziehung der Eltern ist schuld an dem übermäßigen Konsum von Alkohol bei Jugendlichen.
    Wenn Jugendliche an Alkohol kommen wollen dann werden Sie da auch dran kommen egal ob durch Eltern verboten oder nicht.
    Der Alkohol wird dann einfach durch ältere Jugendliche gekauft und weitergegeben.
    Das verbieten von mitgbrachten Alkohol ist zwar ein guter Schritt in die richtige Richtung, aber nicht die entgültige Lösung.

    So und jetzt zur Info es ist NICHT der Rettungsdienst der auf solchen Festen die medizinische Versorgung sicher stellt (erstens ginge das von MAterial und ersonal nicht und zweitens ist es nicht derenAufgabe).
    Es sind Ehrenamtliche Helfer des DRK (in anderen regionen auch ASB, JUH oder Malteser) die ihre FREIZEIT für die Versorgung anderer opfern und das KOSTENLOS im gegensatz zum Rettungsdienst der bezahlt wird.
    Es werden lediglich die Unkosten für Helfer (Nahrungsmittel und Getränke) und für Material in Rechnung gestellt (auch wenn einige Gruppierungen der Hilfsorganisationen hierfür Katastrophenschutzmaterial (Fahrzeuge,Zelte,Tragen, etc.) nutzen welches so oder so schon der Steuerzahler bezahlt hat).

    Und nun noch drei Sätze zu Frank:

    Nicht die Eltern sondern die Jugendlichen sollten mittels Sozialstunden (gerne auch im Sanitätsdienst auf Weinfesten, sodass sie sehen was Alkohol anrichtet) für die Einsätze zu Kasse gebeten werden.
    Die Aufsichtspflicht ist meiner Meinung nach nicht verletzt worden denn die Jugendlichen sind zumeist nicht immer ganz ehrlich so wird z.B. unter falschem Vorwand das Haus verlassen o.ä..
    Viele der Jugendlichen die auf Sanitätsstationen enden jammern schließlich immer man möge doch bitte nicht die Eltern informierne, da sie schließlich wissen welche Sanktionen zuhause auf sie warten.

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